Die Geschichte der Fichte in Bayern

Die Fichte trifft man √ľberall in Bayern. Das entspricht allerdings nicht ihrem nat√ľrlichen Verbreitungsgebiet, Ursache daf√ľr sind historische Begebenheiten (Foto: C. Schwab).

Die Fichte trifft man √ľberall in Bayern. Das entspricht nicht ihrem nat√ľrlichen Verbreitungsgebiet, Ursache sind historische Begebenheiten (Foto: C. Schwab).

Die Fichte ist nach wie vor die h√§ufigste Baumart in Bayern. Beinahe jeder zweite Baum ist eine Fichte. Das entspricht allerdings nicht der nat√ľrlichen Verteilung unserer Baumarten. Warum wir in Bayern so viele Fichten haben, erkl√§rt uns Dr. Alexandra Wauer. Sie arbeitet in der Bayerischen Landesanstalt f√ľr Wald und Forstwirtschaft und ist unter anderem f√ľr die j√§hrliche Kronenzustandserhebung zust√§ndig.

Die Chance in Bayerns W√§ldern auf eine Fichte zu treffen ist wirklich gro√ü. Dass der Nadelbaum vor mir tats√§chlich eine Fichte ist, erkenne ich an verschiedenen Merkmalen: Die Fichte hat in der Regel eine kegelf√∂rmige Krone, eine feinschuppige, r√∂tlich-braune Rinde und nach unten h√§ngende l√§ngliche Zapfen. Ihre Nadeln sind spitz und sitzen auf Blattkissen. Diese Blattkissen bleiben am Zweig, wenn die Nadel abf√§llt, weswegen sich Fichtenzweige etwas rau anf√ľhlen.
Die Fichte kommt in fast ganz Europa vor. Ausnahmen sind die Iberische Halbinsel und die Britischen Inseln. Ihre Verbreitung reicht bis ins kontinentale Asien hinein. Optimal ist k√ľhl-feuchtes Klima. Im Norden ist die Fichte eine Art des borealen Nadelwaldes, im S√ľden eher Gebirgsbaum. In Bayern kommt sie nat√ľrlich in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen vor. Au√üerdem findet man sie in Moor-Randw√§ldern.
Entgegen diesem nat√ľrlichen Verbreitungsgebiet, gibt es in ganz Bayern gro√üe Fl√§chen mit Fichten. Grund daf√ľr ist die historische Entwicklung. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gab es bei uns vor allem ertragsarme, devastierte, von √úbernutzung und Streunutzung gezeichnete Laubholzbest√§nde. Um der Holznot zu begegnen wurden die Laubw√§lder immer mehr zugunsten nadelholzreicher Mischbest√§nde und Nadelholzbest√§nde zur√ľckgedr√§ngt. Im Zuge der Bodenreinertragslehre ‚Äď einer forst√∂konomischen Denkrichtung ‚Äď wurde die Fichtenwirtschaft forciert. Mit den so entstandenen Reinbest√§nden waren Katastrophen, wie Insektenkalamit√§ten, vorprogrammiert. Durch diese Katastrophen entstanden Kahlfl√§chen, ebenso durch die Reparationshiebe nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf diesen gro√üen Kahlfl√§chen blieb aufgrund der Sp√§tfrostgefahr, der schnellen Vergrasung und dem Bewuchs mit Brombeeren nichts anderes √ľbrig, als wieder Fichte und Kiefer zu pflanzen. Allerdings sind die Fichten hier nicht immer die beste L√∂sung gewesen. Oft wurden sie auf ungeeigneten Standorten gepflanzt. Hier wird ihnen ihr Flachwurzelsystem oft zum Verh√§ngnis. Sie haben dann keine Chance, einem Sturm Stand zu halten. In Fichtenreinbest√§nden hat der Borkenk√§fer oder die Nonne leichtes Spiel. Und werden die Fichten nicht sachgem√§√ü gepflegt und durchforstet, wachsen sie zu schnell in die H√∂he. Schneebruch ist dann wahrscheinlich. In den letzten Jahrzehnten arbeitet die Forstverwaltung daran, diese Best√§nde in stabilere Mischbest√§nde umzubauen.
Dieser Umbau der homogenen Fichtenbest√§nde ist vor allem im Klimawandel sehr wichtig. Mit den k√ľnftig vermehrt auftretenden Wetterextremen, wie starken St√ľrmen oder lang anhaltender Trockenheit, bekommt die Fichte zunehmend Probleme. Dennoch m√ľssen wir uns in Bayern von der Fichte auch k√ľnftig nicht vollst√§ndig verabschieden. Auf geeigneten Standorten und als Mischbaumart spielt sie weiterhin eine wichtige Rolle. Dennoch muss ihr Anteil zugunsten stabiler klimatoleranter Mischbest√§nde zur√ľckgehen.
Bayern ist also f√ľr die Fichte vielerorts kein optimaler Standort. Fr√ľher war sie eine schnelle L√∂sung, um kahle Fl√§chen wieder zu bewalden. Aber gerade wegen des Klimawandels m√ľssen Fichtenbest√§nde wieder in Mischbest√§nde umgebaut werden, die besser mit den sich √§ndernden Standortbedingungen zurechtkommen.

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