Freisaaten im Wald

Foto: O. Ruppert

Säen im Wald? Was sich für manchen zunächst komisch anhört, hat in der Forstwirtschaft lange Tradition – schon im vierzehnten Jahrhundert praktizierten das die „Tannensäer“ in Nürnberg. Mittlerweile haben sich die Verfahren jedoch sehr gewandelt. Mehr zur Saat im Wald erklären uns die Waldbautrainer Ottmar Ruppert und Wolfram Rothkegel.

Viele Bestände, die zur Verjüngung anstehen sind in Bayern Reinbestände – beispielsweise aus Fichte oder Kiefer. Wenn man dort Mischbestände begründen will, hat man verschiedene Möglichkeiten Mischbaumarten einzubringen: Neben der Pflanzung ist auch die Saat eine gute Variante. Vorteil der Saat ist, dass die Pflanze sich vom Samen bis zum Baum ungestört entwickeln kann, er wird nicht verpflanzt und die Wurzel wird nicht beschnitten. Für eine Saat gibt es verschiedene Verfahren. Ihnen allen gemeinsam ist eine Bodenvorbereitung.
Ein Streifensaatverfahren bietet sich an, wenn größere Waldflächen besät werden sollen. Die Streifen werden im Abstand von zwei bis drei Metern im Wald angelegt. Mittels einer langsam laufenden Fräse an einem Kleinschlepper wird die Bodenvegetation mit dem Mineralboden vermischt. Dadurch wird ein gutes Saatbeet für Eiche oder Buche hergestellt. Sollen die Mischbaumarten später etwa die Hälfte der Fläche ausmachen, werden bei der Rotbuche zwischen 20 und 50 Kilogramm Saatgut pro Hektar benötigt, bei der Eiche sind es etwa 250 Kilogramm pro Hektar.
Für die Saat auf kleineren Flächen bietet sich die Plätzesaat an. Die Plätze können sowohl motormanuell mit dem Freischneider und einem entsprechenden Mulchaufsatz oder mit Pflanzhauen und Rechen hergestellt werden. Mit diesen Geräten entfernt man den Oberboden auf etwa einem Quadratmeter Fläche; die Plätze haben einen Abstand von drei bis fünf Metern zueinander. Ist der Platz optimal vorbereitet, das Moos entfernt und die organische Auflage leicht mit dem Mineralboden vermischt, wird das Saatgut händisch ausgebracht. Bei der Weißtanne werden hier zehn Gramm Saatgut pro Quadratmeter benötigt und gleichmäßig über die Fläche verteilt. Danach noch das Saatgut mit dem Mineralboden etwas festtreten und fertig ist der Saatplatz.
Die Saat ist grundsätzlich für alle unsere heimischen Baumarten möglich. Einige davon sät man besser im Frühjahr (z.B. Lärche), andere besser im Herbst (z.B. Kirsche). Vorteile der Saat sind eine ungestörte Wurzelentwicklung und dadurch hohe Stabilität der Pflanzen aber auch die gute Anpassung an die Standortsbedingungen, eine gute Selektion durch hohe Samenzahlen, eine gute Qualität durch hohe Stammzahlen und relativ geringe Verjüngungskosten. Es gibt aber auch Risiken: So ist der Erfolg einer Saat stark von der Witterung abhängig, nicht alle Standorte sind für eine Saat geeignet. Die gesäten Pflanzen sind anfällig bei vorhandener Konkurrenzvegetation, dass Saatgut kann von Tieren oder Pilzen geschädigt werden. Wichtig ist auch, dass die Saattiefe stimmt.

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