Fledermäuse im Wald

Das Große Mausohr jagd vor allem Laufkäfer über offenem Waldboden (Foto: A. Zahn).

Große Ohren, spitze Zähne, ein flauschiges Fell und Flughäute zwischen den langen Fingern – Fledermäuse sind recht bizarre Tiere. In Bayern leben 22 Fledermausarten. Einige davon benötigen zum Überleben unbedingt den Wald. Was sie besonders und schützenswert macht, erklären uns Christine Franz und Kathrin Weber von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.  

Fledermäuse sind etwas Besonderes: Sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv Fliegen können. Dazu haben sie zwischen ihren verlängerten Fingern, den Hinterfüßen und dem Schwanz eine Flughaut aufgespannt. Zudem sind sie die einzigen Landlebewesen, die sich mittels Echoortung und Ultraschall orientieren können. Allerdings rufen sie in einem für uns unhörbaren Frequenzbereich. Anhand der Echos orten die Fledermäuse ihre Beute aber auch Hindernisse. Sie sind ein wichtiger Teil in unserem Ökosystem indem sie die Nische der meist tagjagenden Vögel in der Nacht besetzen. Die Flieger fressen Insekten – darunter auch viele Schädlinge. Eine Zwergfledermaus kann pro Nacht beispielsweise mehrere hundert Insekten vertilgen.
Zwar jagen alle Fledermäuse nach Insekten, sie haben dabei aber unterschiedliche Jagdstrategien und Beutetiere: Der Große Abendsegler stellt seiner Beute beispielsweise im freien Luftraum hoch über den Kronen der Bäume in schnellem Flug nach. Andere Arten, die Bechsteinfledermaus oder das Braune Langohr, lesen die Insekten in langsamem Rüttelflug von der Vegetation – von Blättern und Zweigen an Bäumen und Sträuchern – ab und erbeuten damit auch eine Reihe flugunfähiger Insekten; Schmetterlingsraupen, Laubheuschrecken oder Wanzen, aber auch Spinnen und Weberknechte. Das Große Mausohr jagt Laufkäfer über offenem Waldboden. Die Wasserfledermaus macht es ganz anders: Sie sammelt mit ihren ziemlich großen Füßen und der Schwanzflughaut, die sie als Kescher benutzt, Insekten von der Wasseroberfläche ab – wenn sie Glück hat erwischt sie dabei manchmal einen kleinen Fisch.
Ursprünglich hatten wohl alle Fledermausarten ihre Quartiere im Wald. Aber auch hier gibt es Kulturfolger, die in Dörfern und Städten gerne Spalten hinter Fensterläden, unter Dächern oder in Mauerritzen nutzen. Manche Arten leben auch in großen Dachstühlen wie beispielsweise von Kirchen und ziehen dort ihre Jungen auf. Diese Arten jagen dann auch im Siedlungsgebiet, den Parks und Alleen. Ein Großteil der Tiere – man sagt zwei Drittel der Arten – ist aber sehr eng an den Wald gebunden, jede Art unterschiedlich stark. Manche haben ihre Quartiere im Wald, andere jagen nur dort und einige verbringen ihr ganzes Leben im Wald, darunter die Bechsteinfledermaus. Diese benötigt sehr strukturierte und vielschichtige Laubmischwälder mit baumhöhlenreichen Beständen.
Für die Fledermäuse können Waldbesitzer und Waldbewirtschafter einiges tun: Die nächtlichen Jäger nutzen zwei verschiedene Quartiertypen. Das sind einerseits Baumhöhlen von Spechten oder Faulprozessen und andererseits Spalten, beispielsweise hinter abstehender Rinde oder in stehendem Totholz. Achtet der Waldbesitzer auf solche Strukturen und belässt sie im Wald, ist das eine große Hilfe für die Fledermäuse. Um Parasiten zu vermeiden aber auch um Fressfeinden aus dem Weg zu gehen, wechseln viele Fledermäuse ihre Quartiere recht häufig, manche alle zwei bis drei Tage. Viele Quartierbäume erleichtern das. In strukturarmen Wäldern kann es auch sinnvoll sein – zumindest für den Übergang – künstliche Quartiere wie Fledermauskästen anzubieten.
Entscheidend ist für die Fledermäuse auch das Angebot an Jagdgebieten. Hier können Waldbesitzer geeignete Jagdhabitate schaffen: Lichtschächte, Forstwege, Waldränder oder Gewässer beheimaten viele Insekten, hier jagen die Fledermäuse gerne. Solche Strukturen sollte man möglichst erhalten oder auch schaffen. Sinnvoll ist es natürlich, Pestizide zu vermeiden.  Wo möglich sollten Waldbewirtschafter Totholz im Wald belassen, auch das fördert die Insektenvielfalt. Entscheidend ist es auch die verschiedenen Jagdhabitate bzw. die Quartiere mit den Jagdhabitaten zu vernetzen – mit Baumreihen, Feldgehölzen, Heckenstreifen oder Bächen mit Gehölzvegetation entlang der Ufer. Fledermäuse orientieren sich an solchen Linien und fliegen in ihrem Schutz in die Jagdhabitate.

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