Was ist ein Kahlschlag?

Foto: M. O. Stevens, wikipedia

Ausgedehnte Kahlschlagfl√§chen pr√§gten fr√ľher das Landschaftsbild. Heute sieht man solche Kahlschl√§ge in Bayern fast nicht mehr. In anderen L√§ndern ist die Kahlschlagwirtschaft aber noch Gang und G√§be. Mehr dar√ľber wei√ü Gudula Lermer. Sie leitet die Abteilung Waldbau und Bergwald an der Bayerischen Landesanstalt f√ľr Wald und Forstwirtschaft.

Bei einem Kahlschlag werden die B√§ume auf kompletter Fl√§che zur gleichen Zeit genutzt. Notwendig kann diese Ma√ünahme nach einem Borkenk√§ferbefall oder Sturmereignis werden. Den Kahlschlag darf man jedoch nicht mit einer Rodung gleichsetzen. Die Rodung eines Waldes ist gleichbedeutend mit einer Nutzungs√§nderung, dann wird aus Wald eventuell Bauland, eine Stra√üe oder ein Acker. Nach einem Kahlschlag wird die Fl√§che weiterhin als Wald genutzt ‚Äď sie wird wieder mit Waldb√§umen bestockt.
Es gibt auch waldbauliche Gr√ľnde f√ľr diese Form der Bewirtschaftung: So brauchen Lichtbaumarten wie beispielsweise die Eiche in ihrer Jugend viel Licht. Ist eine Eichenverj√ľngung von alten, hohen B√§umen umgeben, kann sie nicht genug Licht bekommen und die jungen Eichen k√∂nnen nicht richtig wachsen oder werden gar von Baumarten, die mehr Schatten vertragen, verdr√§ngt. Der Kahlschlag wird also als waldbauliches Verfahren zur Verj√ľngung von Lichtbaumarten angewendet. Dennoch ziehen Kahlschl√§ge auch eine ganze Reihe von Problemen nach sich: Auf einer Kahlfl√§che √§ndern sich schlagartig die Lichtverh√§ltnisse und kleinklimatischen Verh√§ltnisse. N√§hrstoffe werden aus dem Boden ausgewaschen, der Humus wird sehr schnell umgesetzt. Schon vorhandene Pflanzen sind nun der vollen Sonne ausgesetzt oder m√ľssen gegebenenfalls mit Frostereignissen k√§mpfen. Sie haben den Schutz des Altbestandes nicht mehr. Wegen dieser vielen negativen Auswirkungen ist diese Form der forstlichen Endnutzung im Waldgesetz f√ľr Bayern klar geregelt: Generell sollen Kahlschl√§ge vermieden werden, in Schutzw√§ldern bed√ľrfen sie sogar einer besonderen Erlaubnis. Will man dennoch Lichtbaumarten verj√ľngen, bieten sich hierf√ľr beispielsweise sehr gut Kahlfl√§chen an, die durch Schadereignisse entstanden sind.
In aller Regel sind kleinfl√§chige Verj√ľngungsverfahren sinnvoller. In Deutschland werden Kahlschl√§ge auch kaum noch durchgef√ľhrt. Ganz anders dagegen in bespielsweise Skandinavien oder den USA ‚Äď hier sind Kahlhiebe ganz allt√§glich. Das liegt zum einen an anderen Voraussetzungen bez√ľglich Klima, Boden und Waldstruktur. Au√üerdem gibt es Arten, die zur Verj√ľngung auf Katastrophen angewiesen sind. Ausschlaggebend f√ľr diese Art der Bewirtschaftung ist aber auch eine andere Zielsetzung als in Deutschland: Statt alle Funktionen auf ganzer Fl√§che zu bedienen, ist in den USA der Wirtschaftswald klar getrennt von Fl√§chen, die der Erholung und dem Naturschutz dienen.
Um nicht nur die Holznutzung, sondern auch Naturschutz und Erholungsfunktion auf der gesamten Waldfl√§che Bayerns zu gew√§hrleisten, werden bei uns die W√§lder nicht mehr mittels Kahlschl√§gen bewirtschaftet. Kleinfl√§chige Verj√ľngungsverfahren sind das Mittel der Wahl. Nur bei der Verj√ľngung von Lichtbaumarten wie beispielsweise der Eiche ist es notwendig, f√ľr viel Licht zu sorgen. Damit gef√§hrdete Best√§nde in klimatolerante W√§lder umgebaut werden k√∂nnen, ist manchmal ein Kahlschlag notwendig.

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